Die Laureaten

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Alain Connes

geboren am 1. April 1947 in Draguignan bei Cannes (Frankreich)

Fields-Medaille (1982) für zahlreiche Beiträge zur Theorie der Operator-Algebren und deren Anwendungen

Connes wuchs als Sohn eines Polizeichefs in Marseille auf. Er studierte an der École normale supérieure (1966 bis 1970) und wurde 1973 am Forschungszentrum CNRS unter der Betreuung von Jacque Dixmier promoviert, wo er von 1970 bis 1974 auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Das Jahr 1975 verbrachte Alain Connes als Gastwissenschaftler an der Queen’s University in Kingston, Kanada. 1976 wurde er erst als Assistenzprofessor, dann als Professor an die Universität Paris VI berufen (bis 1980). Im Jahr 1978/79 folgte ein Aufenthalt als Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton. Seit 1979 bis heute hat er den Lehrstuhl Léon Motchane am Institut des Hautes Études Scientifiques in Bures-sur-Yvette inne. 1981 wurde er außerdem zum Forschungsdirektor beim CNRS ernannt (bis 1984). Seit 1984 ist Connes darüber hinaus Professor für Analysis und Geometrie am Collège de France und Professor an der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, USA.

Alain Connes ist Träger einer Vielzahl von Auszeichnungen. Darunter: der Peccot-Vimon Preis des Collège de France (1976), der Ampère Preis (1980) und der Aimé Berthé Preis der Academie des Sciences (1982), der Clay Research Award (2000), der Crafoord Prize (2001) und die Goldmedaille des CNRS (2004). Der Mathematiker ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien, unter anderem der Academie des Sciences (seit 1980), der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften (seit 1980), der American Academy of Arts and Sciences (seit 1990) und der National Academy of Sciences (seit 1997). Die Queen’s University in Kingston (1979), die Universität Oslo (1999), die Freie Universität Brüssel (2010) und weitere Hochschulen haben Connes die Ehrendoktorwürde verliehen.

Die klassische Geometrie beschäftigt sich mit der Position und Bewegung von Punkten im Raum. Eine wesentliche Verallgemeinerung dieses Konzeptes entwickelte sich um 1900 mit der Idee, die Punkte durch Funktionen zu ersetzen. So entstanden “Funktionenräume” und wurden zu einer Grundlage der Quantenmechanik. In diesen Räumen interagieren die Funktionen untereinander, und zwar “kommutativ”, also vertauschbar: Bei der Verknüpfung kommt es nicht auf die Reihenfolge an.

Alain Connes, war bereits in den 1970er und 1980er Jahren durch zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der nicht-kommutativen Algebren aufgefallen – so wurde er zum Beispiel 1973 mit seiner Doktorarbeit bekannt, in der er die Typ III-Faktoren der (nicht-kommutativen) Von-Neumann-Algebren klassifizierte. Mitte der 1980er Jahre begann Connes zu untersuchen, was passiert, wenn man das Konzept Geometrie erweitert und nicht-kommutative Verknüpfungen der “Punkte” zulässt; mit seinem Buch “Noncommutative Geometry” von 1994 legte er den Grundstein für eine völlig neue Theorie, die inzwischen nicht nur in der Quantenphysik und Stringtheorie breite Anwendung findet, sondern auch unter anderem in der Theorie der Operator-Algebren, der Indextheorie elliptischer Operatoren, der algebraischen und der Differential-Topologie und der Zahlentheorie.