Die Laureaten

Copyright © Klaus Tschira Stiftung / Peter Badge

Avi Wigderson

Prof. Dr. Avi Wigderson, * 9. September 1956 in Haifa (Israel)

Nevanlinna Prize (1994) “für herausragende Beiträge in den mathematischen Teilen der Informatik”

Avi Wigderson wurde in Haifa, Israel geboren, als Sohn von Shoshana, einer Krankenschwester, und Pinchas, eines Elektroingenieurs. Er machte seinen Bachelor 1980 im Fach Informatik am Technion, der renommierten israelischen technischen Universität in Haifa. Nach diesem mit summa cum laude bewerteten Abschluss ging Wigderson in die USA. An der Princeton University legte er zuerst seinen Master ab (M.S.E in Informatik 1981, M.A. in Informatik 1982), und schrieb danach seine Doktorarbeit bei R. J. Lipton mit dem Titel „Studies in Combinatorial Complexity” (Ph.D. 1983 in Informatik). Er verbrachte dann drei Jahre als Postdoc in der Bay Area, von 1983 bis 1984 an der University of California in Berkeley, dann bei IBM Research in San Jose im Bundesstaat Kalifornien und schließlich am Mathematical Sciences Research Institute in Berkeley. Danach zog es ihn in seine Heimat zurück: An der Hebrew University in Jerusalem war er zunächst Senior Lecturer (1986-1987), dann Associate Tenure Professor für Informatik (1987-1991). Von 1991 bis 2003 war Wigderson Professor am Computer Science Institute der Hebrew University. Von 1993 bis 1995 leitete er das Institut für Informatik. Neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit in Israel blieb Avi Wigderson aber auch in Princeton aktiv. Von 1990 bis 1992 war er dort Visiting Associate Professor für Informatik, von 1995 bis 1996 Visiting Professor am Institute for Advanced Study. Von 1999 bis heute ist Avi Wigderson Professor an der School of Mathematics am Institute for Advanced Study an der Princeton University.

Avi ist mit Edna verheiratet und der Vater dreier Kinder: Eyal, Einat und Yuval. Er ist Mitglied der National Academy of Sciences (2013) und der American Academy of Arts and Sciences (2011). Er ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter des Conant Prize der American Mathematical Society (2008), des Gödel Preises (2008) und des Nevanlinna Prize der International Mathematical Union (1994).

Er arbeitet auf dem sehr breiten und wachsenden, vernetzten und aufregenden Gebiet der theoretischen Informatik. Seine Interessen sind weit gestreut und betreffen Komplexitätstheorie, Algorithmen, Zufälligkeit, Kryptographie, paralleles und verteiltes Rechnen sowie viele mathematische Gebiete, die sich mit der theoretischen Informatik überschneiden.

Sein Lieblingsergebnis ist nach eigenem Bekunden seine Arbeit zu Zero-Knowledge-Beweisen. Dieser paradoxe Begriff, erfunden von Shafi Goldwasser, Silvio Micali und Charles Rackoff und motiviert von Anwendungen aus der Kryptografie, suggeriert, dass ein Beweiser eines mathematischen Satzes einen Verifizierer von dessen Gültigkeit überzeugen wird, ohne irgend etwas (außer der Korrektkeit) zu verraten — insbesondere keinen Hinweis auf den Beweis selbst. Trotzdem hat der Beweiser nur eine vernachlässigbare Chance, den Verifizierer fälschlich vom Gegenteil zu überzeugen.

Avi Wigderson legte zusammen mit Oded Goldreich und Silvio Micali dar, wie überraschend viel Kraft in solchen Beweisen steckt. Sie zeigten, dass –  vorausgesetzt, es gibt eine Ein-Weg-Funktionen (die Standard-Grundlage der Kryptographie) – /jedes/ mathematische Theorem auf diesem Wege beweisbar ist. Obendrein kann ein solcher Beweis rasch aus einem Standard-Beweis entwickelt werden.