Die Laureaten

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Charles P. Thacker †

geboren am 26. Februar 1943 in Pasadena, Kalifornien (USA)

Turing Award (2009) „für seine Vorreiterrolle beim Design und der Realisierung des ersten Personal Computers – des Alto bei Xerox PARC – und bahnbrechenden Erfindungen und Beiträgen auf dem Gebiet der lokalen Netzwerke (darunter des Ethernets), Multi-Prozessor Workstations, Snooping Cache Coherence Protocols und Tablet PCs.”

Thacker studierte Physik, erst am California Institute of Technology, Pasadena, USA, dann an der University of California, Berkeley (Bachelor of Science 1967). Er arbeitete danach als Ingenieur und Mechaniker für das Computer-Projekt „Genie” (1967-1969) in Berkeley und wurde zum Mitbegründer eines Spin-Offs der Universität, der Berkeley Computer Corporation (1999-1970). 1970 kam er an das neugegründete Xerox Palo Alto Research Center (PARC) der Universität. Hier entwickelte Thacker einen Computer mit, den Multiple Access Xerox Computer (MAXC), ein Mehrbenutzersystem, auf dem ursprünglich die Rechnungen im Labor durchgeführt wurden. 1972 leitete Thacker das Team, das die Hardware des Alto konzipierte und entwickelte. Er entwickelte auch das erste Ethernet und einige weitere bekannte Computer-Systeme mit.

1983 wechselte Thacker von Xerox zur Digital Equipment Corporation (DEC) wo er mit anderen das Systems Research Center (SRC) mitbegründete, das in den 1990ern eine Reihe innovativer Hard- und Softwaresysteme entwickelte. Ab 1997 arbeitete Thacker für Microsoft und half dabei, ein Microsoft Forschungszentrum in Cambridge aufzubauen (1997-1999). Er arbeitete dann an der Entwicklung von Microsoft Tablet PCs mit (1999-2005) und ist seither für Microsoft Research tätig.

Für seine Pionierleistungen in der Computerentwicklung erhielt Thacker eine Reihe von Preisen, darunter den Software Systems Award der Association for Computing Machinery (1984, zusammen mit B. Lampson und R. Taylor), den Charles Stark Draper Prize der National Academy of Engineering (2004, mit A. Kay, B. Lampson und R. Taylor) und die John von Neumann Medaille der IEEE (2007). Er hat die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich.

Charles P. Thacker entwickelte 1972/73 im Xerox Palo Alto Research Center den Minicomputer „Alto”. Insbesondere konzipierte er die Hardware und schrieb den Low-Level-Microcode, der die meisten wesentlichen Hardware-Funktionen steuert, darunter den Controller für das Display. Der Bildschirm ließ standardmäßig Pixel-Grafiken mit einer Auflösung von 606 x 808 Pixeln zu und wurde aus dem Hauptspeicher aktualisiert. Der Alto war eine der ersten Maschinen mit Halbleiterspeicher; der Speicher war ursprünglich für das MACX-System konzipiert worden. Der Festplatten-Controller und sein Microcode wurden von E. McCreight konzipiert. Selbst die Schnittstellen für Ein- und Ausgabe waren eine Innovation: Der Computer besaß eine Maus ähnlich der Maus, die von D. Engelbart am SRI entwickelt worden war; einige Monate später kam Ethernet hinzu, entwickelt von D. Boggs und R. Metcalfe. Um Kosten zu sparen, arbeitete der Rechner mit einem Zeitmultiplexverfahren, bei dem der Prozessor zwischen den Ein- und Ausgabegeräten und dem Microcode hin- und herschaltete, der den Befehlsvorrat emulierte, der von den meisten Programmierern genutzt wurde.

Obschon er kein kommerzieller Erfolg wurde, wurde der Alto zu einer Inspirationsquelle für eine Reihe anderer Rechner, darunter den Apple Lisa, und einige “Desktop Workstations” aus den 1980ern. Die grafische Benutzerschnittstelle wurde vom Microsoft Windows System übernommen und wird heute immer noch von den meisten PC-Nutzern verwendet.