Die Laureaten

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Charles William Bachman †

geboren am 11. Dezember 1924 in Manhattan, Bundesstaat Kansas (USA)

Turing Award (1973) „für seine herausragenden Beiträge zur Datenbanktechnologie”

Bachman wurde im amerikanischen Mittelwesten geboren, blieb dort aber nicht lang. Sein Vater war ein berühmter Football-Trainer, der mit seiner Familie mehrmals umzog, bevor er sich im Bundesstaat Michigan niederließ. Nach seinem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg erwarb er einen Abschluss als Maschinenbauer (B.S.) an der Michigan State University und 1950 im selben Fach den Mastertitel an der University of Pennsylvania.

Schon als Jugendlicher wollte Charles Bachman Ingenieur werden. Nachdem er sich dafür qualifiziert hatte, bestanden seine ersten Interessen bei Dow Chemical (1950) darin, alternative Ingenieurlösungen und deren Kosten für verschiedene technische Projekte zu analysieren. Er wechselte so allmählich vom Ingenieurfach in die Finanzabteilung, wo er auf einem Lochkarten-Rechner ein Projekt zur “Kapitalbereitstellung” implementierte. Bachman stellte die Kosten für den Fabrikbau über die vorangegangenen Jahre und die monatlichen Produktionskapazitäten zusammen und fütterte diese Werte in ein System von simultanen und voneinander abhängigen Gleichungen, bis die gesamten Konstruktionskosten für Fabriken einer Menge von monatlichen Verkaufs-Kapazitäten zugeordnet werden konnten. “Wie viel Kapital wurde in die Produktionskapazität für eine Tonne Chlorgas pro Monat investiert?” Es folgte ein Jahr in der Abteilung für Preisbildung, ein Jahr als Prozess-Ingenieur im Werk für Saran-Plastik, ein Jahr als stellvertretendem Manager eines Werkes für Polystyren-Plastik und drei Jahre als Manager, der die Gründung einer neuen zentralen Abteilung für Datenverarbeitung leitete. Das machte zusammen zehn Jahre vielfältiger Erfahrung in der produzierenden Industrie – offenbar die richtige Grundlage für eine weitere Karriere in der Forschung und Entwicklung bei General Electric.

1960 wechselte er in die Fertigungskontrolle bei General Electric (GE), wo er damit begann, ein neues universelles Informations- und Kontrollsystem für die Produktion zu konzeptionieren und zu planen. Um die geforderten Ziele zu erreichen, musste er das erste online funktionierende System zur Verarbeitung von Transaktionen (OLTP) und das erste Datenbank-Verwaltungssystem mit Direktzugriff (database management system, DBMS) erfinden und implementieren. Bis dahin arbeiteten Kontrollsysteme in der Fertigung Stapel ab und erzeugten inkrementell täglich oder wöchentlich Produktionspläne für die Bestellungen, die neu eingegangen waren. Bestehende Pläne wurden jedoch nicht geändert, selbst, wenn sie nicht mehr länger gültig waren. Es blieb den Terminüberwachern überlassen, von Hand dafür zu sorgen, dass alles korrekt und zur rechten Zeit erledigt wurde.

Das neue Kontrollsystem für die Fertigung verarbeitete neue Bestellungen und die Rückmeldungen zu bestehenden Bestellungen aus den Fertigungsabteilungen täglich neu und erzeugte daraus neue, “zulässige” Pläne, basierend auf den frischen Fakten. Der Ansatz wurde praxistauglich dadurch, dass man kontinuierlich auf Basis von Transaktionen operieren konnte, mit Hilfe einer Datenbank mit Direktzugriff. „Doch die Leute von der Ablaufplanungsforschung bei GE plädierten für eine ‘optimierende’ Fertigungsplanung, im Gegensatz zu unserem ‘Zulässigkeits’-Ansatz.“ Die sich ständig ändernden Fakten in den Bestellungen und im Fertigungsprozess konnten den Großteil eines Fertigungsplanes schnell zunichtemachen und machten es nötig, einen neuen besten Plan zu berechnen. „1960 nutzten wir Computer, die einen ganzen Raum füllten und dabei weniger Rechenkapazität und Speicher besaßen als ein modernes Smartphone.“

Das Arbeitsgebiet Datenbanken wurde 1970 zusammen mit der gesamten Computerabteilung von GE von Honeywell übernommen. In den frühen 1970er Jahren begann Bachman an einer “verteilten Systemarchitektur” zu forschen. Die Arbeit auf diesem Gebiet führte dazu, dass Bachman die Arbeit der amerikanischen Normierungsbehörde zu “verteilten Systemen” leitete und rasch zum Leiter des Subkommitees SC16 der International Standards Organization (ISO) zu “Open Systems Interconnection” aufstieg. Das führte zur Publikation von ISO 7498 (1983), “Basic Reference Model of OSI”. 1998 zog er sich nach Arizona zurück und machte sich als Berater selbständig.

1981 begann Bachman für die Softwarefirma Cullinane Database Systems zu arbeiten und gründete zwei Jahre später zusammen mit seiner Frau ein eigenes Unternehmen, Bachman Information Systems. Diese Firma wuchs auf weltweit mehr als 300 Mitarbeiter an, mit einer Marktkapitalisierung von dreihundert Millionen Dollar.

Bachman war Mitglied verschiedener internationaler Komitees für die Standardisierung von Computern, Datenbanken und Kommunikation. 1977 wurde er “Distinguished Fellow” der British Computer Society.

Bachman hegt seit Langem ein Faible für Gärten, das bereits begann, als er mit seiner Mutter im Garten hinter dem Haus arbeitete. Später sammelte er in den Urwäldern von Neu Guinea Orchideenpflanzen für das Michigan State College. Er baute eine Reihe von Gärten und Gewächshäusern in Michigan, Connecticut, Arizona und Massachusetts. Dieses Jahr begann er mit dem Bau seines dritten Gartens in Lexington, MA.

Bachmans Ehefrau Connie, mit der er 62 Jahre verheiratet war, starb 2012. Sie hinterließ vier Kinder Chandini Margaret Bachman, Thomas Bachman, Sara Bachman Ducey und Jonathan Bachman sowie fünf Enkel und einen Urenkel.