Die Laureaten

Copyright © Klaus Tschira Stiftung / Peter Badge

David Mumford

Prof. Dr. David B. Mumford, * 11. Juni 1937 in Worth, Sussex (England)

Fields-Medaille (1974) für seine Beiträge zur Frage der Existenz und Struktur von Modulräumen, also algebraischen Varietäten, deren Punkte die Isomorphieklassen eines Typs geometrischer Objekte parametrisieren sowie für seine Arbeiten zu algebraischen Flächen (Algebraische Geometrie)

David Mumford ist in einem sehr international ausgerichteten Haushalt groß geworden: Sein Vater hatte eine experimentelle Schule in Tansania, Afrika, aufgebaut und war seit ihrer Gründung Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Mumford wuchs in den USA auf, wo die Familie nahe New York an der Bucht von Long Island lebte. Schon als Jugendlicher fiel seine Begabung auf; so wurde er 1953 Finalist in der traditionsreichen „Science Talent Search” der Firma Westinghouse (heute getragen von Intel). In Harvard legte Mumford seine Bachelor-Prüfung ab (1957) und schrieb später seine Doktorarbeit bei Oscar Zariski (Ph.D. in Mathematik, 1961). 1962 wurde er dort Assistant Professor, besuchte aber während seines ersten Jahres auch Princeton und die Universität von Tokyo. Nach seiner Rückkehr wurde er im selben Jahr Associate, später Full Professor (1967). Mumford besuchte mehrere Universitäten und Institute als Gastprofessor, darunter das Tata Institute of Fundamental Research in Indien (1967-68 und 1978-79), die University of Warwick (1970-71) und das Institute des Hautes Etudes Scientifiques, Paris (1976-77). 1977 bis 1997 war er Higgins Professor an der Harvard University, 1996 bis 2007 University Professor an der Brown University in Providence, Rhode Island, bis heute als Emeritus.

David Mumford war von 1995 bis 98 Präsident der International Mathematical Union, er ist Mitglied der National Academy of Sciences (1975) und war von 1987 bis 1992 MacArthur Foundation Fellow. Er ist Träger zahlreicher Ehrendoktorwürden und Preise, darunter des IEEE Longuet-Higgins Prize (2005), des Shaw (2006) sowie des Wolf Prize (2008). 2010 erhielt er die National Medal of Science.

„Modulräume sind im Wesentlichen Landkarten. Auf einer normalen Landkarte entspricht ein Punkt auf dem Papier einem Ort auf der Erde. In ähnlicher Weise entspricht in einem Modulraum ein Punkt irgend einer Art Objekt, einer algebraischen Varietät (dem Ort der Lösungen einer Menge von Polynomgleichungen innerhalb eines projektiven Raumes), einem Bündel oder etwas Komplizierterem. All diese Objekte liegen in dieser feinen, aber nicht greifbaren ‘Landkarte’ vor Augen, die als Modulraum bekannt ist.” So beschreibt David Mumford selbst eines der wichtigsten seiner Arbeitsgebiete. Er nutzte Modulräume, um Kurven, Flächen und Abelsche Varietäten zu klassifizieren. Eine Abelsche Varietät ist eine Varietät, die auch ein ‘Torus’ ist, also ein komplexer Vektorraum, der aufgerollt und mit sich selbst verklebt ist, mit Hilfe eines Translations-Gitters. Mumfords Arbeit führte vielfältige Teile des Forschungsprogramms von Alexander Grothendieck weiter.

In den 1980er Jahren begann er, sich mehr und mehr für die mathematische Modellierung des Denkens und der Wahrnehmung zu interessieren, wobei er sich auf die Untersuchung des Sehsinns fokussierte. Er entwickelte die Verwendung der bayesschen Inferenz graphischer Modelle zur Basis-Rechenoperation weiter, die kognitiven Prozessen zu Grunde liegt.

1959 heiratete Mumford Erika Jentsch, eine Dichterin; beide hatten vier Kinder. Nach ihrem Tod 1988 heiratete er die Künstlerin Jenifer Gordon. Mit beiden Familien verbrachte er zahlreiche Sommer an der Küste von Maine und segelte die Atlantikküste entlang, von Neufundland bis in die Karibik.