Die Laureaten

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Donald Ervin Knuth

Prof. Donald Ervin Knuth, *10. Januar 1938 in Milwaukee, Wisconsin (USA)

Turing Award (1974) „für seine herausragenden Beiträge zur Analyse von Algorithmen und das Design von Programmiersprachen, insbesondere für seine Beiträge zur ‚Kunst des Programmierens‘ im Rahmen seiner bekannten gleichnamigen Buchreihe“.

Donald Knuth verdankt seine Liebe für Mathematik, Pädagogik und Musik seinem Vater, der Lehrer und Organist war. Seine Liebe für Sprachen und Schreiben verdankt er seiner Mutter, die mehr als 50 Jahre in der Immobilienverwaltung tätig war. Eigentlich wollte er Musiker werden, aber 1956 lockte ihn ein Stipendium zum Physikstudium an das Case Institute of Technology nach Cleveland. In seinem zweiten Jahr wechselte er zur Mathematik, da ihm vor allem die Laborarbeit nicht behagte. Bereits 1957 gelang Donald Knuth seine erste Veröffentlichung – im Satiremagazin MAD: Dort berichtete er über seine Entwicklung des Potrzebie-Einheitensystem, in dem die Dicke des 26. MAD-Magazins als elementare Längeneinheit dient. Er beendete sein Bachelor-Studium 1960 und erhielt gleichzeitig seinen Master – auf spezielle Anordnung der Fakultät und als Anerkennung seiner überragenden Leistungen im Bachelor-Studium. Im Herbst dieses Jahres wechselte er als Doktorand an das California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena. Daneben arbeitete er als Consultant für Soft und Hardware-Entwicklung für die Burroughs Corporation. Nach Abschluss seiner Doktorarbeit 1963 wurde Donald Knuth am Caltech zunächst Assistant Professor of Mathematics, 1966 dann Associate Professor. 1968 berief ihn die Stanford University zum Professor für Informatik. 1977 wurde er dort Fletcher Jones Professor of Computer Science und ab 1990 Professor of the Art of Computer Programming. 1993 wurde Knuth emeritiert, er ist aber weiterhin auf dem Stanford Campus tätig, um sich der Fertigstellung des siebenbändigen Werks „The Art of Computer Programming“ zu widmen.

Donald Knuth wurde 1979 mit der National Medal of Science der USA ausgezeichnet, 1982 erhielt er den IEEE Computer Pioneer Award, 1994 die Adelsköld Medaille der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, 1995 die John-von-Neumann-Medaille und den Harvey Prize des Technions, 1996 den Kyoto-Preis der Inamori Stiftung, 2010 den Katayanagi Preis der Carnegie Mellon University, 2011 die Faraday-Medaille der IET und 2012 den Frontiers of Knowledge Award der BBVA Foundation. Von 1980 bis 2011 wurden ihm 34 Ehrendoktortitel verliehen.

Donald Knuth ist nicht nur seit 1973 Mitglied der American Academy of Science and Arts, seit 1975 ist er auch Mitglied der National Academy of Sciences (Class III, Section 33) und Ausländisches Mitglied der Franzöischen Académie des Sciences, Paris (1992), der Norske Videnskap-Akademi (1993), korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1998), auswärtiges Mitglied der Royal Society of London for Improving Natural Knowledge (2003), der Russischen Akademie der Wissenschaften (2008) und seit 2012 Mitglied der Amerikanischen Philosophical Society (Class 1). Im Jahr 2001 wurde der Kleinplanet “(21656) Knuth” nach ihm benannt.

Seit 1961 ist er mit der Künstlerin, Grafikerin und Autorin Jill, geborene Carter, verheiratet; sie haben zwei Kinder. In seiner Freizeit liebt Knuth es, Tasteninstrumente zu spielen, besonders Klavier und Orgel.

Donald E. Knuth ist nicht nur Informatiker, sondern auch Künstler, und zwar nicht nur, weil er das fulminante mehrbändige Lehrwerk “The Art of Computer Programming” verfasst hat. Derzeit sind vier der geplanten sieben Bände erhältlich, für die Knuth seine eigene Programmiersprache (M)MIXAL und die Prozessorarchitektur (M)MIX entwickelt, um die Algorithmen didaktisch besser aufbereiten zu können.

Er ist auch deshalb ein Künstler, weil er seit den 1970er Jahren – einer Zeit also, in der Bücher nicht selten noch als Schreibmaschinen-Manuskripte veröffentlicht wurden -, das Textsatz-System TeX (abgeleitet vom griechischen Wort τέχνη, Kunstfertigkeit) entwickelt hat. TeX hat sich inzwischen weltweit zum Standardsystem für den Text- und Formelsatz in Mathematik und Naturwissenschaften (und vielen Geisteswissenschaften) durchgesetzt. Mit TeX werden Texte und Formeln in einer Sprache ähnlich wie html-Code formuliert und dann durch einen Compiler “übersetzt”; das Ergebnis sind Texte, deren Darstellung ästhetisch höchsten Ansprüchen genügt. Knuth hat obendrein mehrere gut lesbare Schriften für den Satz von Mathematik-Texten entwickelt.