Die Laureaten

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Edward A. Feigenbaum

geboren am 20. Januar 1936 in Weehawken, New Jersey (USA)

Turing Award (1994, zusammen mit Raj Reddy) „für die Pionierarbeit bei der Entwicklung großer Systeme mit Künstlicher Intelligenz, die deren praktische Bedeutung und ihr wirtschaftliches Potential demonstrierten.”

Es war eine mechanische Rechenmaschine aus den 1940ern, die Edward Feigenbaum schon als Kind faszinierte. Sein Stiefvater, ein Buchhalter, brachte ihm ihre Bedienung bei. Er nahm den Jungen auch monatlich in das American Museum of Natural History und das Hayden Planetarium in New York mit und weckte in ihm so die Leidenschaft für die Naturwissenschaften.

Ein Stipendium ermöglichte Feigenbaum den Besuch des Carnegie Institute of Technology (heute Carnegie Mellon University) in Pittsburgh, wo er 1956 den Bachelor in Elektrotechnik erhielt. In diesem Studium nahm er an einem Seminar mit dem Titel “Mathematische Modelle in den Sozialwissenschaften” teil, geleitet von Herbert Simon, einem späteren Turing-Preisträger und Nobelpreisträger von 1978. Das Seminar führte in die Anfänge der Erforschung der Künstlichen Intelligenz (KI) ein. Nach Abschluss des Studiums entwickelte Feigenbaum im Rahmen seiner Doktorarbeit bei Simon den “Elementary Perceiver and Memorizer” (EPAM), ein Computerprogramm, das immer noch als führender Ansatz bei der Modellierung des Gedächtnisses und des elementaren symbolischen Lernens in der Kognitions-Forschung gilt (Ph.D. 1960). Nach einem Fulbright Stipendium in England wurde Feigenbaum Assistant Professor an der University of California in Berkeley (1960-64).

Aus den Mitschriften seiner Vorlesungen und den Publikationen anderer Wissenschaftler entstand das Buch “Computers and Thought” (1963), das er mit herausgab; es wurde bekannt als das erste Buch über KI. 1965 wechselte Feigenbaum als Associate Professor an das neue Department für Informatik an der Stanford University. Dort begann er die Zusammenarbeit mit dem Genetiker und Nobelpreisträger Joshua Lederberg über KI-Modelle in der wissenschaftlichen Recherche, unter besonderer Berücksichtigung der Modellierung von Experten-Verhalten in eng begrenzten Fachgebieten. Er und seine Kollegen definierten den Begriff ‘Expertensysteme’ und schufen viele solche Systeme in sehr unterschiedlichen Bereichen der Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie der Medizin, um Methodologie und Software zu entwickeln.

Zwischen 1976 und 1984 schrieben Feigenbaum, seine Kollegen und Studenten in Stanford das vierbändige enzyklopädische “Handbook of Artificial Intelligence”, das ein Schlüsselwerk für eine ganze Generation von neuen KI-Forschern und Entwicklern wurde.

Edward Feigenbaum übernahm eine Reihe von Verwaltungsaufgaben an der Stanford University und in den Gesellschaften für Künstliche Intelligenz und Informatik. Nennenswert ist insbesondere eine Stellung als Chief Scientist auf Bundesebene der U.S. Air Force von 1994 bis 1997. Zusätzlich zu seinem eigenen Labor (dem Heuristic Project / Knowledge Systems Laboratory) war er Co-Direktor der National Computer Facility for Applications of Artificial Intelligence to Medicine and Biology (SUMEX-AIM) in Stanford. Er ist auch Mitbegründer dreier Startups im Silicon Valley auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz.

Zusätzlich zum Turing-Preis erhielt Feigenbaum die Computer Pioneer Medaille der IEEE Computer Society; er wurde in die Hall of Fame der IEEE Intelligent Systems und in die ehrenvolle Hall of Fellows des Computer History Museum gewählt. Er ist ein gewähltes Mitglied sowohl der US-amerikanischen National Academy of Engineering als auch der American Academy of Arts and Sciences.

Feigenbaums Hauptinteressen liegen in der Entwicklung der Computermodellierung von Expertenwissen, den Fragen danach, wie Wissen gelernt und von KI-Programmen genutzt wird sowie den Informationsprozessen, die so genannten “kreativen” Verhaltensweisen zu Grunde liegen.