Die Laureaten

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John E. Hopcroft

geboren am 7. Oktober 1939 in Seattle, Bundesstaat Washington (USA)

Turing Award (1986, zusammen mit Robert E. Tarjan) „für grundlegende Fortschritte bei der Entwicklung und Analyse von Algorithmen und Datenstrukturen”

John Hopcroft wurde in eine Arbeiterfamilie geboren. Der Vater war als Veteran des Ersten Weltkriegs von England nach Kanada ausgewandert, in Seattle traf er seine spätere Frau und heiratete. Selber ohne höhere Schulbildung, fand Hopcrofts Vater in Seattle eine Stelle als Hausmeister, seine Mutter arbeitete als Buchhalterin. Doch unternahmen seine Eltern alles, um ihren Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen. Hopcroft studierte zunächst Elektrotechnik an der University of Seattle (B.S. 1961) und ging dann im selben Forschungsgebiet nach Stanford (M.S. 1962, Ph.D. 1964). Als Assistant Professor an der Princeton University entwickelte er einen der ersten Kurse in Informatik weltweit. Aus den Aufzeichnungen für diese Vorlesung entstand später das Standardwerk “Formal Languages and Their Relation to Automata” (Addison-Wesley, 1969). Es diente der Ausbildung ganzer Generationen von Informatikern und wird in überarbeiteter Ausgabe heute noch verlegt. 1967 wechselte Hopcroft an die Cornell University, zunächst als Associate Professor, dann als Professor (1972), Joseph C. Ford Professor (1985) und IBM Professor of Engineering and Applied Mathematics (2004 bis heute).

Inspiriert durch die Erfahrungen bei seiner ersten Vorlesung hatte die Lehre stets eine große Bedeutung für Hopcroft. Er wurde zweimal zum inspirierendsten Hochschullehrer von Cornell gewählt und erhielt mehrere Preise für hervorragende Lehre, darunter den ACM Karl V. Karlstrom Outstanding Educator Award. Hocroft erhielt die Ehrendoktorwürden der Universitäten Seattle, Sydney, Sankt Petersburg, Hong Kong (HKUST) und Peking. Er ist ein Einstein-Professor der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und hat Ehrenprofessuren der Universitäten Yunnan, Chongqing, Shanghai Jiao Tong und Huazhong (alle China) sowie zahlreiche wissenschaftliche Preise. Seine anderer Schwerpunkt liegt auf der Forschung.

Hopcroft startete seine Karriere mit der Entwicklung formaler Sprachen und Automatentheorie, d.h. dem theoretischen Studium von Computermodellen, eine frühe Grundlage der Informatik. Er wurde berühmt für sein Lehrbuch von 1968 “Formal Languages and Their Relation to Automata”, das er 1979 zunächst mit Jeffrey Ullman und später mit Rajeev Motwani in das Werk “Introduction to Automata Theory, Languages, and Computation” (dt. “Einführung in die Automatentheorie, formale Sprachen und Berechenbarkeit”) umarbeitete. Das Buch gilt auch heute noch als Standardwerk auf diesem Gebiet. Im Jahre 1970 erkannte er, dass die Informatik erweitert werden muss und entwickelte das Konzept der asymptotischen Analyse von Algorithmen, was zur Basis der Informatik von 1975 bis 1990 wurde. Derzeit forscht er auf dem Gebiet der Informationswissenschaft im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken und “Big Data”, hilft aber daneben auch einer Vielzahl von Ländern, ihre Bildungssysteme zu verbessern.

Hopcroft genießt es zu wandern, spielt Tennis und schwimmt, fährt Fahrrad, betreibt Windsurfen, Segeln, Volleyball, Tischtennis, Sudoku und Solitaire. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und sechs Enkel.