Die Laureaten

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Niklaus E. Wirth

Prof. Dr. Niklaus Wirth, * 15. Februar 1934 in Winterthur (Schweiz)

Turing Award (1984) für „die Entwicklung einer Reihe innovativer Programmiersprachen, namentlich EULER, ALGOL-W, MODULA und PASCAL. PASCAL wurde zu einer pädagogisch bedeutenden Sprache, die die Grundlage bildete für zukünftige Computersprachen, Systeme und Forschungen zur Rechnerarchitektur.”

Niklaus Wirth ist der bisher einzige deutschsprachige Träger des Turing Awards. Sein Vater war Professor für Geografie und Geologie am Gymnasium in Winterthur. Wirth erwarb 1958 ein Diplom in Elektrotechnik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Danach zog es ihn zu Studienaufenthalten in Nordamerika: Seinen Master machte er 1960 an der Université Laval in Québec, Kanada. Anschließend ging er an die University of California, Berkeley und erwarb dort einen Doktorgrad in Elektrotechnik und Informatik (1963). Wirth blieb danach in der San Francisco Bay Area und arbeitete als Assistant Professor für Informatik an der Stanford University. 1967 kehrte er als Assistant Professor nach Zürich zurück, zunächst an die Universität. 1968 wechselte er als Professor für Informatik zur ETH und blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1999. In den Jahren 1976 bis 1977 und 1984 bis 1985 verbrachte Niklaus Wirth jeweils ein Sabbatical im Palo Alto Research Center von Xerox (PARC), ebenfalls an der Bucht von San Francisco in Kalifornien gelegen. Seine Bücher “Systematische Programmierung” (1973) und “Algorithmen + Datenstrukturen = Programme” (1975) gehören zu den einflussreichsten Werken in der Programmierer-Ausbildung und werden auch heute noch genutzt.

Niklaus Wirth war zweimal verheiratet und ist Witwer; er hat drei Kinder. Auch heute noch ist eines seiner Hobbies die Elektronik.

Niklaus Wirth ist Mitglied der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (1992), Foreign Associate der US Academy of Engineering (1994) und Fellow des Computer History Museum im kalifornischen Mountain View (2004). Neben zehn Ehrendoktorwürden und dem Orden Pour le mérite (1996) ist er Träger vieler weiterer  wissenschaftlicher Auszeichnungen, darunter der IEEE Computer Pioneer Award (1988), der IBM Europe Science and Technology Prize 1988 (1989), der ACM SIGSOFT Outstanding Research Award in Software Engineering (1999), die Leonardo da Vinci Medaille der Societé Européenne pour la Formation des Ingenieurs (1999) und der Eduard-Rhein Technologie-Preis München (2002).

Ende der 1960er Jahre herrschte bereits einige Sprachenvielfalt im Computerbereich. Zu den neuesten Errungenschaften gehörte Algol, entwickelt von einem Team von 13 Informatikern um John Backus, Friedrich Ludwig Bauer, John McCarthy, und Peter Naur.

Auch Niklaus Wirth hatte sich ab 1964 an Algol beteiligt, war dann aber aus verschiedenen Gründen aus der Gruppe ausgestiegen. Er begann im Alleingang sein eigenes Projekt: Pascal, eine Sprache, deren Syntax (wie auch Algol) in der Backus-Naur-Notation formal definiert wurde, und die Wirth nach dem französischen Mathematiker Blaise Pascal benannte. 1970 wurde Pascal veröffentlicht und diente in der Folgezeit vor allem der Ausbildung im Programmieren, denn ein wesentlicher Vorteil der Sprache war die klare Struktur der Programme, die den Code sehr gut lesbar machte und Fehler beim Schreiben reduzierte.

Anfangs der 70er Jahre wurde Pascal auf verschiedenen Großrechnern implementiert und an Universitäten verwendet. Doch der eigentliche Durchbruch erfolgte erst mit dem Aufkommen der Kleinrechner (Minicomputers) ab 1975, die den Computer in Büros und Schulen unter die Leute brachten. Denn dank seiner relativen Einfachheit konnte Pascal auch auf kleinen Rechnern verfügbar gemacht werden.

Nachfolger von Pascal waren die Sprachen Modula-2 (1979) und Oberon (1988), welche die neuen Konzepte der modularen und Objekt-orientierten Programmierung unterstützten.  Im weiteren wandte sich Wirth dem Computerbau zu. So entstanden in seiner Forschergruppe die innovativen Rechner Lilith (1980) und Ceres (1985-89).