Die Laureaten

Copyright © Klaus Tschira Stiftung / Peter Badge

Stephen Smale

Stephen Smale, * 15. Juli 1930 in Flint, Bundesstaat Michigan (USA)

Fields-Medaille (1966) für seine Arbeit in Differentialtopologie, wo er die verallgemeinerte Poincaré-Vermutung in Dimension n>=5 bewies.

Stephen Smales Geburtsstadt Flint ist weltberühmt als ehemals größter Produktionsstandort des US-Automobilkonzerns General Motors. Smales Vater arbeitete für den Konzern; der Junge selbst lebte ab dem Alter von fünf Jahren auf einer Farm außerhalb der Stadt. Seine achtjährige Grundschulzeit verbrachte er in einer Landschule – mit einem einzigen Lehrer. Smales Lieblingsfächer waren Chemie und Physik. Nachdem er, bereits als Student an der University of Michigan, die Prüfung in einem Physikkurs nicht bestand, wandte er sich der Mathematik zu (Bachelor 1952; Master 1953). Smale erlangte seinen Ph.D. an der University of Michigan, Ann Arbor im Jahr 1957 und arbeitete von 1956-58 als Dozent an der University of Chicago. 1958-60 verbrachte er mit einem Postdoc-Stipendium der National Science Foundation am Institute for Advanced Study in Princeton und dem Instituto de Mathematica Pura e Aplicada in Rio de Janeiro. 1960 wurde Smale zum Assistent Professor an die University of California in Berkeley berufen. 1961 nahm er einen Ruf an die Columbia University in New York an, um bereits 1964 wieder nach Berkeley zurückzukehren. Seit seiner Emeritierung in Berkeley 1995 hat Smale zusätzlich eine Professur an der City University of Hong Kong inne.

Smale wurde von der American Mathematical Society mit dem Veblen Preis für Geometrie (1966) ausgezeichnet. Er ist Träger der US-National Medal of Science (1996) und erhielt unter anderem den Chauvenet Preis der Mathematical Association of America (1988) sowie den Von Neuman Award (1989) und den Jürgen Moser Preis (2005) der Society for Industrial and Applied Mathematics.  Smale ist siebenfacher Ehrendoktor und Ehrenmitglied des Instituto de Mathematica Pura e Aplicada in Rio de Janeiro (seit 1990), der Trinity Mathematical Society in Dublin (seit 1991), der Moskauer Mathematischen Gesellschaft (seit 1997) und der London Mathematical Society (seit 1998).

Stephen Smale wurde berühmt für seine Arbeit in dynamischen Systemen und die Erfindung der so genannten Hufeisenabbildung. Diese Abbildung ermöglichte ihm nicht nur die Lösung von Problemen aus der “Chaos-Theorie”, sondern auch eines der großen klassischen Probleme der Topologie, der verallgemeinerten Poincaré-Vermutung für Dimension 5 und größer. Es geht dabei darum, dass jede kompakte zusammenhängende n-Mannigfaltigkeit, auf der jeder Kreis zu einem Punkt zusammengezogen werden kann, homöomorph zur Oberfläche einer Kugel in Dimension n+1 ist — das heißt: Die Mannigfaltigkeit kann ohne Schnitte oder Kleben zu einer Kugeloberfläche umgeformt werden. Poincaré hatte diese Vermutung für Dimension 3 formuliert; Smale gelang es, die verallgemeinerte Vermutung für Dimension 5 und mehr zu beweisen .

Smale erbrachte später weitere wichtige Ergebnisse auf dem Gebiet der Dynamischen Systeme, der Topologie und der Variationsrechnung und wandte sich in den 1970er Jahren der Ökonomie zu, wo er mit Hilfe von Methoden aus den Dynamischen Systemen ökonomische Gleichgewichtsbedingungen formulierte. Diese Arbeiten führten ihn später auf das Gebiet der numerischen Analysis und der Komplexitätstheorie.

Stephen Smale ist nicht nur für seine mathematischen Leistungen bekannt, sondern auch für eine Mineraliensammlung von Weltrang, die er seit Jahrzehnten zusammen mit seiner Frau aufbaut.