„Hallo, Computer!“ Pioniere der Künstlichen Intelligenz gastieren beim ersten Heidelberg Laureate Forum

Menschen sprechen mit Smartphones. Dass diese Interaktion mit einer Maschine möglich ist, das verdanken wir Raj Reddy und Edward Feigenbaum. Die beiden Informatiker sind ab dem 22. September bei dem 1. Heidelberg Laureate Forum (HLF) zu Gast, einem einwöchigen Symposium für und mit einer Vielzahl der besten Mathematiker und Informatiker unserer Zeit. Die Wissenschaftler werden mit rund 200 Nachwuchsforschern aus aller Welt eine Woche lang in Heidelberg neue Ideen und Konzepte der Informatik und Mathematik diskutieren. Raj Reddy, Pionier der Spracherkennung, wird den Auftakt-Vortrag halten und dabei über die vielschichtige Entstehungsgeschichte des modernen Computers referieren. Dabei soll geklärt werden, warum es mehrere Anwärter auf den Titel „Erfinder des Computers“ gibt.

Bereits in den 1960er Jahren beschäftigte sich der langjährige Stanford-Professor und Computeringenieur Raj Reddy mit dem Thema Künstliche Intelligenz und der Mensch-Computer-Interaktion. Sein besonderes Interesse galt zunächst der maschinellen Spracherkennung. In den 1960ern war dies eine revolutionäre Forschungsleistung, da zu dieser Zeit Computer noch mit Lochkarten betrieben wurden und nur einen Bruchteil der Rechenleistung heutiger Maschinen erreichten. Reddy entwickelte als erster ein Konzept, wie gesprochene Worte von einer Maschine verarbeitet werden können. Für seine bahnbrechenden Arbeiten erhielt er 1994 den Turing-Award, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Informatik – quasi ein Nobelpreis. Reddys Forschungsergebnisse sind heute in einer Vielzahl technischer Geräte zu finden, wie etwa dem heute unentbehrlichen Navigationsgerät.

Raj Reddys Forschung begann an der Universität Stanford in einer Kaderschmiede für Computer-Frühentwickler. Bereits sein Lehrer John McCarthy erhielt den hoch angesehen Turing-Award. Reddy setzte sich damals mit erstmals mit der Frage auseinander, wie Schallwellen in eine Rechenmaschine überführt werden können: Nach der Aufzeichnung von Sprache auf einem Tonband kann die entstandene Schallwelle in kleinere Segmente zerlegt werden. Ein Segment entspricht dann einem Vokal oder einem Zischlaut. Reddy entwickelte nun eine Methode, die durch einen Datenbankabgleich zu jedem Segment den besten Treffer sucht. Dadurch konnte sein Programm für ein vorgegebenes Vokabular sehr gut entscheiden, welches Wort gesprochen wurde. Unter anderem gelang es Reddy so, bereits 1968 einen Roboterarm durch Sprachbefehle zu steuern. Und 1974 präsentierte er der Welt dann „Hearsay“ . „Hearsay“ war eines der ersten Computersysteme, das natürliche Sprache verstehen konnte. Dieses System enthielt viele grundlegende technische Konzepte, die auch heute noch verwendet werden. Beispielsweise die automatische Anpassung an Sprecher mit unterschiedlicher Aussprache. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Aspekten von Reddys Arbeit ist sie in vielen kommerziellen Systemen zu finden.

Ende der 1970er Jahre begann Reddy seine Forschungsinteressen auszuweiten. Neben der Robotik und der Mensch-Computer-Interaktion beschäftigte er sich zunehmend mit der Rolle der Technologie in der modernen Gesellschaft und wie sie hilft, die Lebensumstände der ärmsten Menschen zu verbessern. So wurde im Jahre 2007 Reddys „The Million Book Project“ erfolgreich abgeschlossen. Das Pilotprojekt sollte allen Menschen Zugang zu freiem Wissen ermöglichen. Reddy ist auch heute noch bestrebt die Bildungschancen über Land-, Kultur- und Altersgrenzen hinweg zu verbessern. So lässt es sich dieser so wichtige Pionier der Computertechnologien nicht nehmen, das 1. Heidelberg Laureate Forum zu besuchen. Hier treffen 200 der besten Nachwuchsinformatiker und –mathematiker auf Preisträger, wie Reddy, um mit ihnen ihre wissenschaftlichen Konzepte und Ideen zu diskutieren: Wir sind gespannt, wie die computerisierte Welt von morgen aussieht.