Die Laureaten

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Juris Hartmanis

geboren am 5. Juli 1928 in Riga (Lettland)

Turing Award (1993) „zusammen mit Richard E. Stearns, in Anerkennung ihrer bahnbrechenden Arbeit, die die Basis für das Forschungsgebiet der Berechnungskomplexität legte.“

Hartmanis entstammt einer wohlhabenden lettischen Familie. Doch nach der Besetzung von Lettland durch die Sowjets im Zweiten Weltkrieg wurde der Vater, ein Stabs-Chef, getötet. Hartmanis’ Mutter floh 1944 mit der Familie auf dem Seeweg nach Marburg, wo ein Freund der Familie lebte. Juris Hartmanis studierte dort Physik (candidatus philosophiae, 1949). Weitere Freunde ermöglichten der Familie dann die Emigration in die USA, nach Kansas City, Missouri. Weil an der University of Kansas City damals ein Masterstudium in Physik nicht möglich war, wechselte Hartmanis in die Mathematik (Master of Arts 1951). Er promovierte anschließend in Mathematik am California Institute of Technology (Ph.D. 1955) über Gittertheorie, um anschließend als Dozent an der Cornell University (1955–1957) und als Lehrbeauftragter an der Ohio State University (1957–1958) zu arbeiten. Anschließend wechselte er in das General Electric Research Laboratory (1958-1965), um 1965 eine Professur an der Cornell University anzunehmen.

Hartmanis ist Mitglied einer Vielzahl von Wissenschaftsakademien und Träger der Grand Medal der Lettischen Akademie der Wissenschaften (Lielo Medalu) (2001).

Juris Hartmanis ist mit einer Innenarchitektin verheiratet und hat drei Kinder und vier Enkel.

Wie kompliziert ist es, eine Reihe von Zahlen zu sortieren, einen Knoten aufzulösen oder Sudokus zu lösen? Fragen sind das, auf die Informatik und Mathematik immer noch keine genaue Antwort kennen. Aber: Man kennt Algorithmen – im Prinzip Computerprogramme – die diese Probleme lösen und dafür eine gewisse Zeit brauchen. Doch was heißt „eine gewisse Zeit“? Und: Kennt man einen Algorithmus, dann heißt das nicht, dass es nicht noch einfacher geht.

Die Arbeit von Juris Hartmanis und Richard E. Stearns hat genau hier ihren Ursprung: In der Messung der Komplexität von Problemen. Die beiden konzentrierten sich auf die algorithmische Seite und schlugen 1965 einen Weg vor, die Komplexität eines Problems durch die Geschwindigkeit eines Algorithmus, der das Problem löst, abzuschätzen. Was heißt Geschwindigkeit? Dazu verwendeten die beiden ein Konzept, das der britische Mathematiker Alan Turing 1936 eingeführt hatte: Die Turing-Maschine, ein Formalismus, mit dem sich Computeralgorithmen standardisiert beschreiben lassen. Hartmanis und Stearns betrachteten die Anzahl der Berechnungen, die der Algorithmus auf einer Turing-Maschine benötigen würde. Natürlich kann man 10 Zahlen schneller sortieren als 20, und so kann man sich nun ansehen, wie die Anzahl der Schritte mit der Größe der Instanz wächst, und damit Algorithmen klassifizieren. Hartmanis und Stearns erkannten jedoch schnell, dass nicht nur die Anzahl der Berechnungen eine Rolle spielt, sondern auch die Menge an Speicherplatz, die der Algorithmus braucht, und erweiterten ihr Modell entsprechend.

Juris Hartmanis interessiert sich auch für Naturwissenschaften, besonders für Physik und Informatik, und beschäftigt sich mit Geschichte und Biographien. Er fährt gerne Ski, spielt Tennis und segelt auf kleinen Booten.