Die Laureaten

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Vinton Gray Cerf

geboren am 23. Juni 1943, New Haven, Connecticut (USA)

Turing Award (2004) zusammen mit Robert E. Kahn „für ihre bahnbrechende Arbeit zum Internetworking, darunter das Design und die Implementierung des wichtigsten Kommunikationsprotokolls des Internet, TCP/IP, und für seine mitreißende Führungsrolle bei der Entwicklung der Netzwerktechnologie.“

Vinton Cerfs Vater war in der Luft- und Raumfahrtbranche tätig. Cerf studierte Mathematik an der Stanford University (B.S. 1965). Er leidet seit seiner Kindheit an Schwerhörigkeit, was sein Interesse an alternativen Kommunikationsmöglichkeiten via Computer förderte. Cerf arbeitete nach seinem Grundstudium zwei Jahre für IBM (1965-67), um danach Informatik an der University of California, Los Angeles, zu studieren (Master of Science 1970, Ph.D. 1972). Er kehrte dann an die Stanford University zurück, um zu lehren und zu forschen (1972-1976). Zusammen mit Robert E. Kahn entwickelte er in dieser Zeit die Netzwerkprotokolle TCP/IP für die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), während er von 1972 bis 1982 für DARPA arbeitete. Cerf wurde in der Folgezeit zu einer der Schlüsselfiguren des Internet – oft wird er als der Vater des Internet bezeichnet. Er war stellvertretender Präsident für Entwicklung in der MCI Digital Information Systems Company, wo er die Entwicklung von MCI Mail leitete (1982–1986), stellvertretender Präsident der Corporation for National Research Initiatives (CNRI) (1986-1994) und Senior Vice President of Architecture and Technology bei MCI (1994-2005). Seit 2005 ist er als stellvertretender Direktor und Chief Internet Evangelist für Google tätig. Als solcher ist er dafür verantwortlich, neue Technologien zu finden, um die Entwicklung fortgeschrittener Internet-Produkte und -Dienstleistungen bei Google zu unterstützen. Er verleiht damit Google auch ein Gesicht in der Internet-Welt. Er war Mitglied vieler Komitees, die sich mit der Standardisierung des Internets befassten (Internet Architecture Board, Internet Engineering and Research Task Forces). Er ist Mitbegründer der Internet Society, war ihr Präsident zwischen 1992 und 1995 und war Vorsitzender der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) (2000-07).

Cerf ist Träger vieler Preise und Auszeichnungen, darunter der US National Medal of Technology (1997), der Presidential Medal of Freedom (2005) und des Japan Prize (2008). Mit Robert E. Kahn, Marc Andreessen, Louis Pouzin und Tim Berners-Lee teilt er sich den mit einer Million Pfund dotierten Queen Elizabeth Prize for Engineering (2013). Im selben Jahr wurde er als Offizier in die französische Legion d’Honneur eingeführt.

Cerf und seine Frau sind seit 1966 verheiratet und haben zwei Söhne, David und Bennett. Zu Cerfs Hobbies gehören schöne Weine, Gourmetkochen und hirnzersetzender Science Fiction.

Weithin ist Cerf als einer der „Väter des Internet“ bekannt; er arbeitete am Design der TCP/IP-Protokolle und der Architektur des Internet mit. Bereits während seines Studiums hatte Cerf ein Protokoll für den Datenaustausch (das Network Control Program, NCP) für das Advanced Research Projects Agency Network (ARPANET) mitkonzipiert. In der Informatik ist ein Protokoll eine Sammlung von Regeln dafür, wie zwischen Computern oder anderen Geräten Daten ausgetauscht werden. Die ersten beiden Knoten des ARPANET befanden sich an der University of California, Los Angeles, und dem Stanford Research Institute in Menlo Park in Kalifornien. Kernbestandteil des ARPANET war unter anderem eine Technologie, die packet switching genannt wurde. Dieses neue Mittel der Kommunikation wurde auf Satelliten und Mobilfunk ausgeweitet, als Teil des Netzwerk-Forschungsprogramms von DARPA. Vom Sommer 1973 an entwickelten Robert E. Kahn und Vinton Cerf gemeinsam die Grundlagen für ein Netzwerkprotokoll, mit dem Daten in Paketform auch über heterogene, vielfältige Netzwerke ausgetauscht werden konnten. Aus diesem Protokoll entstanden die Protokolle TCP/IP. IP, das „Internet-Protokoll“, überträgt die Pakete von Knoten zu Knoten über vielfältige Netzwerke hinweg, während TCP, das „Transmission Control Protocol“, die Kommunikation zwischen zwei Netzwerkteilnehmern regelt. Um sich klar zu machen, wie IP und TCP zusammenarbeiten, kann man sich vorstellen, der Datenstrom würde aufgebrochen und die einzelnen Stücke dann – dem TCP entsprechend – auf eine Postkarte geschrieben, die wiederum in einen Umschlag gesteckt wird, der nach den Regeln von IP beschriftet ist. „Router“ lesen die IP-Adressierung auf jedem Umschlag, speichern sie kurz und leiten die Daten dann weiter von Router zu Router, bis sie das Ziel erreichen. Der Empfänger entnimmt dem Umschlag die Karte und liest sie nach den Vorschriften des TCP, setzt aus den einzelnen Paketen wieder den Datenstrom zusammen und sendet Bestätigungspostkarten an den Sender, um zu verhindern, dass das Gegenüber dasselbe Paket wieder und wieder abschickt.

Vinton Cerf und Robert E. Kahn veröffentlichten dieses Konzept 1974 in der Arbeit „A Protocol for Packet Network Intercommunication“. Im selben Jahr verfasste Cerf mit Kollegen einen detaillierten Request for Comments (RFC 675) für die Internet Engineering Task Force (IETF), in der TCP dokumentiert wurde. Es folgten zahlreiche weitere RFCs, die TCP/IP allmählich zum Standard der Datenübertragung im Internet werden ließen.