Zuse Ausstellung

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Konrad Zuses erste Computer

Ausstellung zum Heidelberg Laureate Forum zeigt frühe Entwicklung von Computern in Deutschland

Der deutsche Bauingenieur, Erfinder und Unternehmer Konrad Zuse gilt als der Erfinder des Computers. Mit dem Bau der Z3 im Jahr 1941 entwickelte er den ersten funktionstüchtigen, vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechner und somit den ersten funktionsfähigen Computer der Welt.

75 Jahre nach der ersten öffentlichen Vorstellung der Z3 in Berlin zeigt die Stiftung Heidelberg Laureate Forum Foundation (HLFF) vom 17. bis 22. September im Senatssaal der Alten Universität Heidelberg die Ausstellung „Konrad Zuse‘s Early Computing Machines“. Unter den zahlreichen Exponaten ist auch eine Rekonstruktion der Z3 aus dem Konrad-Zuse-Museum in Hünfeld.

Die Ausstellung zeigt den Weg von den ersten Ideen Konrad Zuses bis hin zur Entwicklung seiner Maschinen und demonstriert die Details von Zuses frühen Computern. Zuses Konzept der Strukturierung von Rechnerarchitekturen in Komplexitätsschichten, heute als Mikroprogrammierung bekannt, dient dabei als roter Faden der Ausstellung.

Ausgehend von diesem Konzept konnte der junge Zuse die mechanische Rechenmaschine Z1 praktisch im Alleingang bauen. Die Z1 hat die spätere Ära des Computers konzeptionell angekündigt: sie war vollständig binär, arbeitete mit Fließkommazahlen und getrenntem Speicher und Prozessor. Diese Merkmale wiesen die ersten kommerziellen Rechner erst in den fünfziger Jahren auf.

„Diese Geschichte ist in dieser Form noch nie erzählt worden, und ich bin sicher, sie wird alle Besucher sehr beindrucken“, sagt Raúl Rojas, Professor für Informatik an der Freien Universität Berlin. Gemeinsam mit seinem Team hat er die Ausstellung speziell für die HLFF konzipiert. „Wie ein 26-Jähriger in Berlin 1936 solche hochmodernen Gedanken mit sich herumgetragen hat, und sich danach unermüdlich dem Bau seiner Rechenmaschinen widmete, obwohl die Welt am Abgrund stand, ist heute schwer zu verstehen. Konrad Zuses Triumph 1945 als die Z4 und die „logistische Maschine“, samt Plankalkül, geboren wurden, hat zu jener Zeit niemanden mehr interessiert. Europa lag in Trümmern und es dauerte noch fünf Jahre, bis Zuse seine Arbeit wieder aufnehmen konnte. Es war zu spät für eine deutsche Computerindustrie – die Computertechnologie auf der anderen Seite des Atlantiks trat ihren Siegeszug an.“

Während die Ausstellung über den Computerpionier in der Alten Universität gezeigt wird, findet in Heidelberg zeitgleich das 4. Heidelberg Laureate Forum statt, eine Netzwerkveranstaltung für Mathematiker und Informatiker aus aller Welt. Organisiert wird das Treffen von der HLFF. Andreas Reuter, Informatikprofessor und Mitglied des Vorstands der Stiftung, ist sicher, dass die Ausstellung, die die Entwicklung des Computers in Deutschland präsentiert, auch für ein internationales Fachpublikum interessant ist.

Er selbst kannte Konrad Zuse persönlich und erinnert sich, dass diese Begegnung seinen Lebensweg und die Berufsentscheidung wesentlich mitgeprägt hat. „Mein Vater war bei der Zuse KG beschäftigt, und schon als Schüler kam ich früh mit allen möglichen Maschinen in Berührung. Ich konnte sogar noch ein bisschen an der Entwicklung der Z43 mitarbeiten. Da stand für mich fest, dass ich mich beruflich mit Datenverarbeitung befassen würde“.

Im Zentrum der interaktiven englischsprachigen Ausstellung stehen neben dem Zuse-Archiv die Simulationen der Zuse-Maschinen. Die mechanischen Schaltungen von Konrad Zuse können an verschiedenen Exponaten nachvollzogen werden, und auch ein virtueller Besuch der Z1 in Berlin ist möglich. Die Ausstellungsstücke, darunter Originale aus dem Nachlass Konrad Zuses, sind Leihgaben des Konrad-Zuse-Museums Hünfeld, des Heinz Nixdorf MuseumsForum und der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Ergänzt wird die Ausstellung durch Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Mathias Knauer über den Computerpionier.

Die Ausstellung ist von Samstag, 17. September bis einschließlich Donnerstag, 22. September im Senatssaal der Universität, Alte Universität, Grabengasse 1, Heidelberg, täglich von 8:30 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.